Historisches Handwerk für die Dachoblichter im Schlachthof Zürich
Architekt: Atelier M Architekten
Kunde: Amt für Hochhauten Zürich
Für die denkmalpflegerische Sanierung der Dachoberlichter im rund 100-jährigen Hauptgebäude des ehemaligen Schlachthofs in Zürich wurden wir mit der Restaurierung der historischen Metallstruktur beauftragt.
Ziel war es, die filigranen Stahlkonstruktionen originalgetreu zu erhalten und instand zu setzen. Beschädigte oder korrodierte Elemente wurden sorgfältig aufgearbeitet, fehlende Teile nach historischem Vorbild rekonstruiert und statisch ertüchtigt – stets in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege.
Durch präzise Bestandsaufnahmen, detailgetreue Nachfertigungen und eine behutsame Oberflächenbehandlung konnte die charakteristische Erscheinung der Dachoberlichter bewahrt und gleichzeitig ihre Dauerhaftigkeit für die kommenden Jahrzehnte gesichert werden.

Hier die sanierten Dachoberlichter nach Abschluss der Arbeiten.
Die historische Stahlunterkonstruktion wurde vollständig aufgearbeitet, instand gesetzt und statisch überprüft. Korrodierte Bereiche wurden ersetzt oder ergänzt, ohne die ursprüngliche Konstruktion in ihrer Erscheinung zu verändern.
Eingesetzt wurden neue, durchbruchsichere Glasscheiben, die heutigen Sicherheitsanforderungen entsprechen und sich dennoch zurückhaltend in das historische Gesamtbild einfügen. So verbindet die Sanierung denkmalgerechte Restaurierung mit zeitgemässer Technik und langfristiger Dauerhaftigkeit.

Weitere Dachoberlichter während der Bauphase, noch vor dem vollständigen Aufbau des Flachdachs.
In diesem Stadium sind die restaurierten Stahlkonstruktionen und die neu eingesetzten, durchbruchsicheren Verglasungen bereits montiert. Die präzise Einbindung in die bestehenden Aufbordungen war entscheidend, um die historische Dachlandschaft in ihrer Wirkung zu erhalten.
Die Arbeiten erfolgten etappenweise und in enger Abstimmung mit den übrigen Gewerken, damit Substanz, Erscheinungsbild und Funktion der rund 100-jährigen Bausubstanz langfristig gesichert werden konnten.

Die Situation vor dem Eingriff.
Viele der alten Scheiben waren bereits beschädigt oder gebrochen. Das vorhandene Drahtglas entsprach weder den heutigen Sicherheitsvorschriften noch war es in dieser Form noch ausreichend verfügbar.
Zudem zeigte die Metallunterkonstruktion deutliche Alterungs- und Korrosionsspuren. Die Sanierung war daher nicht nur aus denkmalpflegerischer, sondern auch aus sicherheitstechnischer Sicht dringend erforderlich.


Um die historischen Tragkonstruktionen der Oberlichter sicher auszubauen, wurde eine spezielle Hebekonstruktion entwickelt.
Mit dieser individuell angefertigten Traverse konnten die filigranen Stahlrahmen gleichmässig angeschlagen und ohne Verformung oder Beschädigung als Ganzes vom Dach gehoben werden.
Die kontrollierte Demontage war entscheidend, um möglichst viel Originalsubstanz zu erhalten und die Konstruktionen anschliessend fachgerecht restaurieren zu können.


Nach dem ersten Sandstrahlen wurde der tatsächliche Zustand des Materials sichtbar.
Erst durch das Entfernen der alten Beschichtungen und Korrosionsschichten zeigte sich, wie stark einzelne Bereiche angegriffen waren. Auf dieser Grundlage konnte entschieden werden, welche Teile instand gesetzt, ergänzt oder partiell ersetzt werden mussten.
Die sorgfältige Analyse nach dem Strahlen war entscheidend, um die Restaurierung fachgerecht und mit möglichst viel erhaltener Originalsubstanz auszuführen.

Alle Verbindungen wurden sorgfältig gelöst, um die einzelnen Bauteile getrennt restaurieren und beschichten zu können.
Nach der Oberflächenbehandlung erfolgte die Wiederzusammenfügung auf traditionelle Weise: Die Konstruktionen wurden erneut vernietet – in Anlehnung an die ursprüngliche Bauweise.
Durch diese handwerkliche Vorgehensweise konnte nicht nur die statische Integrität wiederhergestellt, sondern auch der historische Charakter der Dachoberlichter authentisch bewahrt werden.

Viele Bereiche waren durch Korrosion so stark geschädigt, dass einzelne Profile ersetzt werden mussten.
Da die ursprünglichen Abmessungen heute nicht mehr handelsüblich sind, wurden die benötigten Querschnitte neu gefertigt. Aus Flachstahl stellten wir mithilfe einer Laserschweissanlage präzise T-Profile her, die den historischen Dimensionen und Proportionen entsprechen.
So konnte die Konstruktion statisch ertüchtigt werden, ohne die charakteristische Profilierung und Erscheinung der denkmalgeschützten Dachoberlichter zu verändern.

Einige Bauteile waren so stark beschädigt, dass sie vollständig neu produziert werden mussten.
Dabei wurden die historischen Details exakt übernommen – von den Profilabmessungen bis zu den Anschlussplatten und Nietbildern. Ziel war es, die neuen Elemente konstruktiv und optisch nahtlos in die bestehende Struktur zu integrieren.
So entstand eine präzise Ergänzung, die die ursprüngliche Bauweise respektiert und gleichzeitig die langfristige Stabilität der Dachoberlichter sichert.

Nach der Instandsetzung der Stahlkonstruktion und der Beschichtung der Kontaktflächen wurden die Bauteile nochmals vollständig gestrahlt.
Anschliessend erfolgte eine Spritzverzinkung als dauerhafter Korrosionsschutz, bevor die Konstruktionen mit einem mehrschichtigen Beschichtungsaufbau versehen wurden.
Durch diesen sorgfältigen Aufbau konnte die historische Substanz langfristig geschützt und gleichzeitig die ursprüngliche Erscheinung der Dachoberlichter bewahrt werden.

Nach Abschluss der Oberflächenbehandlung wurden die restaurierten Tragkonstruktionen wieder an ihre ursprüngliche Position gehoben.
Mit dem Kran konnten die vormontierten Elemente präzise auf die vorbereiteten Auflager gesetzt und sorgfältig ausgerichtet werden. Die exakte Vorbereitung in der Werkstatt erleichterte die Montage erheblich und verkürzte die Eingriffszeit auf dem Dach.
So fanden die historischen Dachoberlichter – technisch ertüchtigt und nachhaltig geschützt – wieder ihren Platz in der denkmalgeschützten Dachlandschaft.

Einige der Dachoberlichter waren so gross dimensioniert, dass sie nicht vollständig demontiert werden konnten. Diese Konstruktionen wurden direkt vor Ort bearbeitet.
Der Zustand der Tragstruktur war in diesen Fällen erfreulicherweise deutlich besser, sodass keine umfangreichen Ersatzarbeiten notwendig waren. Entsprechend beschränkten sich die Eingriffe auf das Reinigen, Strahlen und den Neuaufbau des Korrosionsschutzes.
Durch diese differenzierte Vorgehensweise konnte Substanz erhalten, der Aufwand optimiert und dennoch ein dauerhaft geschütztes Ergebnis erzielt werden.


