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Geländer Postbrücke Hauptbahnhof Zürich

Brückengeländer beim Hauptbahnhof Zürich

Architekt: Müller & Truniger

Für die Postbrücke beim Hauptbahnhof Zürich durften wir die neuen Geländerkonstruktionen planen, fertigen und montieren.

Die Brücke ist ein stark frequentierter Verbindungsweg im urbanen Umfeld und stellt entsprechend hohe Anforderungen an Sicherheit, Dauerhaftigkeit und Gestaltung. Unsere Aufgabe bestand darin, eine robuste und normgerechte Lösung zu realisieren, die sich präzise in die bestehende Infrastruktur einfügt und den intensiven täglichen Belastungen langfristig standhält.


Im Rahmen der Sanierung der Postbrücke beim Hauptbahnhof Zürich realisierten wir die neuen Geländerkonstruktionen.

Auf der Aufwärtsseite wurden die Geländer mit auskragenden Erkern ausgebildet. Die Füllungen bestehen aus konisch geschnittenen Staketen aus 18 mm starkem Stahlblech. Der Handlauf ist mit einem brunierten Messing-Flachprofil verkleidet und setzt einen hochwertigen gestalterischen Akzent.

Die Postbrücke, erbaut zwischen 1927 und 1930, überspannt die Sihl südlich des Hauptbahnhofs und verbindet den Bahnhofplatz mit der Kasernenstrasse.


 


Im Zuge wasserbaulicher Untersuchungen wurde festgestellt, dass die Postbrücke bei starkem Eisgang die Sihl aufstauen könnte. In einem solchen Fall wäre nicht gewährleistet, dass das Wasser ungehindert unter dem Hauptbahnhof hindurchfliesst.

Im Zusammenhang mit dem Bau der Sihlhochstrasse wurde deshalb geprüft, ob die bestehenden Brückenpfeiler im Extremfall zu einer Überflutung angrenzender Quartiere führen könnten.

 

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Die Stossfugen der Geländerelemente wurden mit flächenbündigen Verplattungen ausgeführt, sodass ein ruhiges und präzises Erscheinungsbild entsteht.

Der Handlauf besteht aus einem Messingprofil mit abgerundeter Kante, das für eine angenehme Haptik sorgt. Die Oberfläche wurde brüniert und verleiht dem Geländer eine warme, hochwertige Ausstrahlung im Kontrast zur Stahlkonstruktion.

 

 

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Blick von der Sihlpost in Richtung Bahnhofplatz und Gessnerallee: Die sanierte Postbrücke präsentiert sich mit den neu realisierten Geländern als präzise gesetzter Eingriff im historischen Bestand.

Die klare Linienführung der konisch geschnittenen Staketen und der durchlaufende Messinghandlauf verleihen der Brücke eine zeitgemässe, hochwertige Erscheinung – eingebettet in das urbane Umfeld rund um den Hauptbahnhof Zürich

 

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Bei der Massaufnahme zeigte sich die bestehende Situation mit den alten, bereits demontierten Geländerverankerungen.

Die seitlichen Abschlüsse und Brüstungsmauern wurden im Zuge der Sanierung vollständig erneuert. Sichtbar sind hier noch die früheren Befestigungspunkte der alten Geländerkonstruktion, die in die neue Planung integriert beziehungsweise fachgerecht rückgebaut wurden.

 

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Gesamtansicht der Geländerkonstruktion im 3D-Modell.

Das digitale Modell diente als Grundlage für Planung, Koordination und Ausführung. Die komplette Linienführung der Brücke wurde exakt nachgebildet, sodass sämtliche Elemente präzise vorgefertigt und auf die Geometrie des Bestands abgestimmt werden konnten.

 

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Im Modell wird die massive Ausführung der Geländerkonstruktion deutlich sichtbar. Ebenso erkennbar sind die auskragenden „Erker“ über den Brückenpfeilern, welche die Gestaltung rhythmisch gliedern.

Da das Geländer im Hochwasser- und Katastrophenfall zusätzlich als Rechen dient, um Treibgut der Sihl zurückzuhalten, wurde die gesamte Konstruktion in Stahl S355 ausgeführt. Die robuste Dimensionierung gewährleistet die erforderliche Tragfähigkeit und Widerstandskraft unter ausserordentlichen Belastungen.

 

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Die Erker sind konstruktiv vom übrigen Geländer getrennt.

Aufgrund der Dilatationsbewegungen der Brücke wurden sie statisch eigenständig ausgebildet und vom durchlaufenden Geländer entkoppelt. Optisch erscheinen sie zwar in einer durchgehenden Linie mit der restlichen Konstruktion, technisch jedoch sind sie so ausgeführt, dass Bewegungen der Brücke schadlos aufgenommen werden können.

 

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Im Vorfeld wurden unterschiedliche Materialvarianten für den Handlauf bemustert.

Geprüft wurden Ausführungen in Aluminium sowie in Messing mit verschiedenen Abstufungen der Brünierung. Ziel war es, sowohl hinsichtlich Haptik und Witterungsbeständigkeit als auch im Zusammenspiel mit der Stahlkonstruktion die passende Materialität zu definieren.

 

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Ausschnitt aus dem zweiten Ausführungsplan mit den unterschiedlichen Anschlussvarianten im Sockelbereich.

Hier wurden die Details für die Befestigung auf dem bestehenden Brückensockel präzise ausgearbeitet. Je nach Situation kamen angepasste Fussplatten, Verankerungen und Übergangslösungen zum Einsatz, um eine sichere Lastabtragung sowie eine saubere, dauerhafte Anbindung an den Bestand zu gewährleisten.

 

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Eckdetail im Ausschnitt der Werkstattzeichnung.

Das Detail zeigt die präzise Ausarbeitung der Anschluss- und Befestigungspunkte im Bereich der Richtungsänderung. Besonders im Eckbereich mussten Geometrie, Lastabtragung und der durchlaufende Messinghandlauf exakt aufeinander abgestimmt werden, um sowohl konstruktiv als auch gestalterisch eine saubere Lösung zu gewährleisten.

 

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An den Handläufen waren umfangreiche Fräsarbeiten erforderlich.

Gefertigt wurden versenkte Längslöcher für Zylinderschrauben, um eine präzise Justierung und eine verdeckte Befestigung zu ermöglichen. Zusätzlich wurden die Verbindungsstellen überplattet, sodass eine flächenbündige, saubere Oberfläche entsteht und die hochwertige Ausführung des Messinghandlaufs konsequent fortgeführt wird.

 

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Schweissarbeiten in unserer Werkstatt.

Die einzelnen Geländerelemente wurden auf dem Schweisstisch exakt ausgerichtet und verschweisst. Durch präzise Vorrichtungen und sorgfältige Kontrolle konnten Masshaltigkeit und Verzug minimiert werden – eine entscheidende Voraussetzung für die spätere passgenaue Montage auf der Brücke

 

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Eine besondere historische Randnotiz: Von 1938 bis 1980 betrieb die PTT eine Post-U-Bahn, welche Pakete und Briefe vom Hauptbahnhof zur Sihlpost transportierte. Die unterirdische Verbindung verlief unter anderem unter dem Trottoir der Postbrücke.

Bei der neuen Geländerkonstruktion wurde grosser Wert auf eine präzise Verarbeitung gelegt. Sämtliche Kanten der Staketen wurden mit einem Radius von 2 mm gefräst, um sowohl die Haptik zu verbessern als auch die Detailqualität zu unterstreichen.

Die Postbrücke ist damit nicht nur ein bedeutendes Infrastrukturbauwerk der Stadt Zürich, sondern bleibt durch die Sanierung auch langfristig funktional und gestalterisch aufgewertet erhalten.