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Hängende Fluchttreppe aus Rohstahl mit Licht im Handlauf

Fluchttreppe mit Riffelblechstufen und Licht im Handlauf

Architekt: Ernst Niklaus Fausch Partner AG

Im modernen Anbau einer historischen Villa in Zürich realisierte die Metall Werk Zürich AG diese hängende Fluchttreppe aus rohem, schwarz belassenem Stahl. Die klare, reduzierte Konstruktion bildet einen spannenden Kontrast zur historischen Substanz und fügt sich dennoch selbstverständlich in das architektonische Gesamtkonzept ein.

Die Stufen sind im Treppenauge aufgehängt und aussen einzeln in der Wand verankert. Dadurch entsteht eine schwebende Wirkung, welche die Massivität des Materials relativiert und dem Treppenraum eine überraschende Leichtigkeit verleiht.

Ein besonderes Merkmal ist das integrierte Beleuchtungskonzept: Das gesamte Licht im Treppenhaus stammt aus dem zentral geführten Handlauf. Dieser übernimmt nicht nur die sicherheitsrelevante Funktion als Führungselement, sondern wird gleichzeitig zur durchgehenden Lichtquelle und prägt die Atmosphäre des Raumes. Funktion, Konstruktion und Gestaltung verschmelzen so zu einem präzise durchdachten Gesamtelement.

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Das Zentrum der Treppe bildet das markante Treppenauge mit den durchlaufenden vertikalen Stahlstangen. Diese übernehmen mehrere Funktionen zugleich: Sie wirken als Zugstangen zur Abhängung der Konstruktion an der Decke, dienen als Absturzsicherung und bilden gleichzeitig die Tragstruktur für den zentral geführten Handlauf.

Die konsequente Reduktion auf rohe, schwarz belassene Stahloberflächen unterstreicht den konstruktiven Charakter der Anlage. Konstruktion, Sicherheit und Gestaltung greifen hier präzise ineinander und machen das Treppenauge zum statischen und atmosphärischen Mittelpunkt des Raumes.

 

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Die Stufen wurden aus Stahl-Riffelblech mit Rautenprägung gefertigt. Das Material sorgt für die notwendige Rutschhemmung im Fluchtweg und unterstreicht gleichzeitig den industriellen Charakter der Treppe.

Der Blick von oben durch das Treppenauge zeigt die klare, geometrische Struktur der Konstruktion. Die gleichmässige Anordnung der vertikalen Stäbe, die rauen Stahloberflächen und das Licht aus dem zentralen Handlauf verdichten sich hier zu einem kraftvollen räumlichen Bild, bei dem Konstruktion und Gestaltung untrennbar miteinander verbunden sind.

 

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Unter dem Dach war in der Fassade ursprünglich keine Fensteröffnung vorgesehen. Um dennoch natürliches Licht in den oberen Bereich der Treppe zu bringen, realisierten wir einfache, zurückhaltend integrierte Verglasungen. Diese ergänzen das Lichtkonzept aus dem Handlauf und verbessern die Belichtung des Treppenraums zusätzlich.

Im Vordergrund sind die vertikalen Zugstangen sichtbar, die in der Mitte zusammengeführt und an der Decke angeschlossen sind. Sie übernehmen die Abhängung der Treppenkonstruktion und prägen zugleich das räumliche Erscheinungsbild – konstruktive Notwendigkeit und architektonisches Element in einem.

 

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Bei den Podesten wurde das Riffelblech konstruktiv mit zusätzlichen Rippen verstärkt, um die Durchbiegung zu minimieren und die erforderliche Steifigkeit sicherzustellen. Trotz der schlanken Erscheinung erfüllt die Konstruktion damit alle statischen Anforderungen an einen Fluchtweg.

Die Verstärkungen bleiben von unten sichtbar und sind bewusst Teil der Gestaltung. So wird die Tragstruktur nicht versteckt, sondern konsequent als ehrliches, konstruktives Element gezeigt – ganz im Sinne der roh belassenen Stahloberflächen der gesamten Treppenanlage.

 

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Hier wird deutlich, wie das Licht aus dem zentral geführten Handlauf direkt auf die Gehfläche wirkt. Die integrierte Beleuchtung erzeugt eine gleichmässige, blendfreie Ausleuchtung der Trittflächen und erhöht damit die Sicherheit im Fluchtweg.

Gleichzeitig entsteht eine atmosphärische Lichtführung entlang der vertikalen Stahlstäbe, welche die Geometrie der Treppe betont und das Treppenauge räumlich inszeniert. Das Licht ist kein zusätzliches Element, sondern integraler Bestandteil der Konstruktion.

 

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Das 3D-Modell zeigt die gesamte Treppe in ihrer reinen Stahlkonstruktion. Ohne Oberflächen, Wandanschlüsse oder Ausbau wird hier die statische Logik der Anlage sichtbar: die aufgehängten Stufen im Treppenauge, die aussen verankerten Tritte sowie die vertikalen Zugstangen, welche die Konstruktion an der Decke abtragen.

In dieser reduzierten Darstellung wird deutlich, wie alle Elemente konstruktiv zusammenwirken. Das Modell diente als Grundlage für Statik, Detailplanung und Koordination und erlaubte es, die komplexe Geometrie der hängenden Treppe präzise zu entwickeln, bevor sie in der Werkstatt gefertigt und vor Ort montiert wurde.

 

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Roh belassener Stahl verlangt deutlich mehr Sorgfalt als eine durchgehend überlackierte Oberfläche. Unterschiedliche Produktionsverfahren – Walzen, Schweissen, Schleifen oder Strahlen – erzeugen jeweils eigene Nuancen in Struktur, Glanzgrad und Farbton. Diese Unterschiede bleiben bei Schwarzstahl sichtbar und prägen das Erscheinungsbild wesentlich.

Aus diesem Grund wurden sämtliche Varianten vorab bemustert und aufeinander abgestimmt – inklusive der Verbindungsmittel. Auch Schrauben, Muttern und Anker mussten hinsichtlich Oberfläche und Wirkung geprüft werden, damit ein stimmiges Gesamtbild entsteht und Konstruktion sowie Gestaltung bis ins Detail konsequent umgesetzt sind.

 

 

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Die Drohnenaufnahme zeigt den Einbau der Treppe mit dem Kran. Die Konstruktion wurde durch eine gezielt offen gelassene Dachöffnung in das Gebäude eingehoben. Diese Öffnung war von Beginn an in der Planung berücksichtigt und ermöglichte eine präzise und effiziente Montage der grossformatigen Stahlteile.

Durch die enge Abstimmung von Planung, Statik und Montageablauf konnte die komplexe Treppenkonstruktion in wenigen Hubvorgängen an ihren endgültigen Platz gebracht werden. Erst nach dem erfolgreichen Einbau wurde die Dachfläche geschlossen – ein Beispiel dafür, wie frühzeitige Koordination den Bauprozess entscheidend vereinfacht.

 

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Die vier zentralen Bauteilgruppen der Treppe wurden einzeln eingebracht und an der zuvor montierten Unterkonstruktion verschraubt. Dieses Vorgehen ermöglichte eine kontrollierte Montage innerhalb des engen Treppenraums und reduzierte die notwendigen Kranhübe.

Die Position der Tritte wurde bereits vorgängig exakt definiert und in der Werkstatt in der richtigen Lage verschweisst. Dadurch konnte die Geometrie vor Ort präzise übernommen werden, sodass die einzelnen Elemente passgenau zusammengefügt werden konnten. Planung, Vorfertigung und Montage griffen hier eng ineinander.

 

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Die Aufnahme von unten nach oben zeigt eindrücklich das durchgehende Lichtband im Handlauf. Die lineare Beleuchtung zeichnet die Geometrie des Treppenauges nach und führt den Blick vertikal durch den gesamten Raum.

Das Licht betont die Konstruktion der aufgehängten Stufen und der Zugstangen und verleiht dem rohen Stahl eine überraschend warme Wirkung. So entsteht eine klare Orientierung im Fluchtweg und zugleich eine starke räumliche Inszenierung – allein durch ein einziges, konsequent integriertes Lichtelement.